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- 06.03.2010 21:19 - katatonik

Amsel, wetzend

campfire

- 14.02.2010 22:58 - katatonik

Hotel Europäischer Hof, Heidelberg

campfire

- 07.02.2010 22:28 - katatonik

Kampf um die Stadt, Ausstellung, Wien, Künstlerhaus

Wien, zwischen den zwei Weltkriegen, Kampf um die Stadt. Verlust des Reiches, allmähliche Umnachtung des urbanen Wasserkopfes Wien durch Älplertum im auch geistig geschrumpften Umland sowie natürlich auch andere geistige Schrumpfungsprozesse der Zeit. Ein paar Splitter hier notiert.

Dramatisierte Grafik im politischen Propagandaprakat, Tracht und Brauchtumspflege im Kampf gegen die (linke) Politisierung (aber auch: “Arbeitertrachtler”), Massenaufmärsche von Militaristen, sie unterstützenden Priestern und Nonnen im Ornat.

Sozialistischer Städtebau und dessen Diskutabilität (Kritik an großen Wohnbauprojekten der 1920er Jahre als monumentale Repräsentationspaläste durch Verfechter luftiger, aber peripherer Gartenstädte). Elektrifizierung der Stadt – Ansichtskarten mit magisch strahlenden Lichtpunkten in der dunklen Stadt, Lichttourismus, Reisen zu den Leuchtpunkten.

Einführung der Kurzstreckenkarte in den Straßenbahnen. Betonung, dass man mit der Kurzstreckenkarte nur auf Plattformen mitfahren dürfe, auf denen Rauchen nicht gestattet sei (impliziert: in den regulären Wagen durfte geraucht werden). Humoristische Plakate zur Aufforderung der Verkehrsmittelbenützer zum Wohlverhalten: Sitzplatz an Ältere, und, übrigens, Pfeifen von Liedlein stört die anderen! (Pfeifen im ÖPNV, die Klingeltonplage der 1910er.)

Erstaunt, dass praktisch alle der großen städtischen Wiener Bäder (Kongreßbad, Amalienbad, auch viele Kinderfreibäder, die es heute nicht mehr gibt) in recht kurzer Zeit während der 1920er Jahre errichtet wurden. (Architekturmodell des Amalienbads mit dem berühmten Glasdach, das geöffnet werden konnte, im 2. WK zerstört).

Nicht gewusst, dass die Höhenstraße ein austrofaschistisches Prestigeprojekt war.

[Gegenüber der Radiopropaganda der 1930er Jahre ist Radio Niederösterreich heute ein politisch aufgeklärtes Medium.]

Gustav Deutsch montierte “Home movies” zusammen, gedreht mit der “Pathé Baby”. Tonlose Familienausflüge der Wohlhabenden, Puppi und Mausi, Daddy mit der coolen Sonnenbrille der 1920er Jahre, alles sehr Lucino-Visconti-mäßig. Eine unglaublich glücklich und schön aussehende alte Dame, oder Frau, in Kittelschürze, umflort von ihrem weißen Haar, lachend mit strahlenden Augen.

Viel, zu viel zu sehen. Im Erdgeschoß der Ausstellung dann der Eindruck der Lieblosigkeit, Anhäufung, Aneinanderreihung schon irgendwie interessanter Exponate zu Standards der Wiener Stadtkultur, die halt auch irgendwie vorkommen mussten (Kabarett, Varieté), ohne die feine Hand, die die stärker historischen Teile der Ausstellung im ersten Stock zu einem Fluss formte (auch dort allerdings mitunter der Eindruck, dass einzelne Exponate abhaken, was gesagt werden muss: Arbeitslosigkeit, Marienthal, urbanes Elend). Aber das mag an kognitiver Überforderung gelegen haben.

Allgemeine Texte in den einzelnen Räumen auch auf Englisch, Texte zu den einzelnen Exponaten nur auf Deutsch.

campfire

- 24.01.2010 11:50 - katatonik

Antizyklischer Kinogang: "Home" (Ursula Meier, 2008)

Im nahegelegenen (und das ist bei diesen Temperaturen ein wichtiges Kriterium) Bellaria Kino läuft derzeit “Home”, ein bereits etwas älterer Film von Ursula Meier.

“Home” zeigt eine Familie, die in einem Haus mitten in ziemlich flacher und karger Landschaft direkt an einem nie in Betrieb gegangenen (sagt man so?) Autobahnteilstück lebt. Nun geht wider Erwarten die Autobahn doch in Betrieb, und die Familie versucht sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Das hat Witz, Tragik, Groteske, Depression. Isabelle Huppert spielt die Mutter, übrigens. Der Film ist sehenswert, aber Achtung – beim Verlassen des Kinos ist man sehr, sehr autosensibel.

Ursula Meier spricht in einem ausführlichen Interview auch über die Schwierigkeiten, einen Drehort zu finden:

“Wir haben tatsächlich ganz Europa abgegrast, wir waren selbst in Kanada, weil das Filmprojekt dort auf offene Ohren stiess, aber ein geeigneter Drehort war nicht auszumachen. Neu gebaute Autobahnstücke werden meist sehr schnell für den Verkehr freigegeben, sobald die Baufahrzeuge verschwunden sind – dazwischen liegt keine Zeit für Dreharbeiten. Ausserdem standen überall Autobahnbrücken, und die wollte ich auf keinen Fall im Bild, denn es geht im Film ja darum, dass die Familie durch den Verkehr von der Umwelt abgeschnitten wird und erfinderisch sein muss, wenn sie die Strasse überqueren will. Also haben wir uns stattdessen die Lande- und Startpisten von Flughäfen angeschaut. Aber auch da hatten wir ein Problem: Die waren alle zu kurz, denn die im Film vorbeirasenden Fahrzeuge mussten ja auf 120 km/h beschleunigen, bevor sie ins Bild kamen, und unmittelbar danach wieder abbremsen – zu langsam fahrende Autos wären im Film aufgefallen – und sowas ist auf so kurzen Strecken einfach zu gefährlich. Ausserdem stimmte im Umfeld der Flughäfen auch die Landschaft nicht, diese kahlen Grasböden waren mir zu hässlich.

Fündig geworden sind wir schliesslich im hintersten Bulgarien, zwischen Sofia und Istanbul. Dort stiessen wir auf eine völlig verlorene Landstrasse, die über zwei Kilometer hinweg verbreitert worden war, damit dort Flugzeuge zur Bewässerung der umliegenden Felder starten und landen konnten. Diese Einrichtung wurde aber nicht mehr gebraucht, und das Gelände war verlassen – alle drei Stunden kam vielleicht ein Trabant oder ein Pferd vorbei, und die konnte man problemlos umleiten. Auf diesem Gelände haben wir dann das Haus gebaut, die ganzen zwei Kilometer Strasse neu geteert und mit Sicherheitslinien bemalt, und diese Strecke wurde dann für gewisse Szenen von bis zu 300 Autos mit Statisten befahren. Es war also wie ein Riesenstudio unter freiem Himmel, wir hatten unser Haus, unsere Strasse unsere Fahrzeuge. Wenn ich “Moteur!” rief (was auf französisch soviel heisst wie: “Action!”), dann wurden tatsächlich die Motoren gestartet, und wir erlebten bis zu einem gewissen Grad auch das, was die Familie im Film durchmacht.”

campfire

- 02.12.2009 09:16 - katatonik

Humanitäres Bleiberecht, Helen Lovejoy style

Die Priestersgattin Helen Lovejoy ist aus der Fernsehserie “The Simpsons” dafür bekannt, dass sie in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen im Tonfall größter Bestürzung einmahnt, man möge doch an die Kinder denken (“Will someone please think of the children?”).

In Österreich wird nun wieder über das humanitäre Bleiberecht diskutiert, anlässlich des Falles Arigona Zogaj (Kosovo). Die österreichischen Behörden befinden, Arigona und ihre Mutter dürften nicht in Österreich bleiben, obwohl Gutachter bei ihrer Mutter massive Suizidgefahr sehen. (Die anderen Familienmitglieder wurden bereits in den Kosovo ausgewiesen.) Auch die offensichtliche Integriertheit des Mädchens Arigona spielt keine Rolle.

Ein Argument, das gerne für die Gewährung des Bleiberechts an Arigona verwendet wird, würde Helen Lovejoy sicher gefallen: Die Kinder dürften nicht für die Fehler der Eltern bestraft werden. Wenn die Eltern ihre Familie mit illegalen Schlepperbanden nach Österreich bringen, so das Argument, soll man die Eltern dafür (durch Abschieben) bestrafen, nicht aber die Kinder. Die sollen dableiben dürfen.

Das ist in einem Land, das herzige Kindlein und fluffige Hundlein mag, möglicherweise als Strategie vielversprechend. Humanitär ist es nicht (werft die Eltern raus, lasst die Kinder da – in Heimen oder was?), und politisch engstirnig (wie kommt man eigentlich als Kosovare legal nach Österreich? He? Anyone?). Das Kindlein-Argument ist ein Schritt zurück.

campfire

- 02.12.2009 09:13 - katatonik

Ortsbild

Denkbar ist, dass manch ein Minarett sich in das Ortsbild einer mittelgroßen zentraleuropäischen Gemeinde besser einfügen würde als deren traditionsreicher Baubestand aus, sagen wer mal, den 1970er und 1980er Jahren.

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- 16.11.2009 00:27 - katatonik

Realität, Spiegelung, Blässe, Vernebelung

campfire

- 29.10.2009 21:02 - katatonik

Universitäres, Universales

Wenn man sich den Livestream aus dem Auditorium Maximum der Universität Wien ansieht, das seit letzter Woche von Studierenden besetzt ist, erfährt man auch etwas über den Alltag von Tiefbauarbeitern.

campfire

- 14.09.2009 21:04 - katatonik

Das Sitzrätsel

Irgendwann in Japan begannen wir uns Gedanken darüber zu machen, wie die Shinkansen-Züge denn so von A nach B fahren und zurück, genauer: was in B passiert, damit der Zug in der Wagenfolge fährt, mit der wir ihn nach A fahrend beobachtet haben.

Eine Shinkansen-Einheit besteht aus acht oder sechzehn Wagen. Dabei ist die Wagen-Numerierung konstant. Wenn man etwa die Strecke von Hakata (Kyūshu im Süden) nach Tōkyō (Norden) als Bezugspunkt nimmt und von einer Achter-Folge ausgeht, so ist Wagen 1 immer in Richtung Hakata. Wenn ich also etwa von Hiroshima nach Tōkyō fahre, ist Wagen 1 der letzte Wagen, fahre ich von dort aus nach Hakata, ist er der erste. Das hat den Vorteil, dass die Markierungen am Bahnsteig konstant bleiben, egal, in welche Richtung der Zug fährt.

Nun ist uns irgendwann eben aufgefallen, dass die Sitzreihen alle in Fahrtrichtung zeigen. Da der Zug seine Wagenfolge starr beibehält, also nicht als ganzer gedreht wird, müssen sich in A oder B kleinere Einheiten drehen. Wir haben wilde Konstruktionen entworfen, Plattformen, Drehscheiben, auf die die einzelnen Wagen der Reihe nach auffahren und dann rotiert werden. Das kam uns nicht unplausibel vor. In Japan gibt es nicht viel, was einem unplausibel vorkommt, wenn man von Vollkornbrot einmal absieht.

Vor unserer Abreise saßen wir dann im Bahnhof Ueno und sahen zu, wie der reizvoll “Skyliner” genannte Flughafenzug nach Narita abfahrbereit gemacht wurde. Plötzlich drehten sich da alle Sitzreihen gleichzeitig. Das war des Rätsels Lösung: Nicht die Wagen, sondern die einzelnen Sitzreihen werden beim Shinkansen in den Endbahnhöfen gedreht. Natürlich gibt es auch ein Youtube-Video davon. Man kann das übrigens auch selbst mit einzelnen Reihen machen, etwa, wenn man zu viert reist.

Der Mechanismus setzt voraus, dass die Abstände zwischen den Sitzreihen großzügig bemessen sind. Und das sind sie.

campfire

- 31.08.2009 15:48 - katatonik

Kyoto

campfire [2]